Historie

„Acta des Halleschen Bienenzüchtervereins – Protokolle“

Gemeinsame Interessen führen die Menschen zusammen: Sei es nun zum Austausch von Erfahrungen und Ansichten die eigene Erfahrung zu bereichern, neue Erkenntnise sich zu erwerben, Vortheile zu erringen; – oder sei es nur, um sich des wohlthuhenden und stärkenden Gefühls bewußt zu werden, Genossen seines Strebens zu haben.
So geschah es, daß einige Männer von Halle, welche der edlen Bienenzucht oblagen, sich zusammenfanden und bald untereinander in dem Wunsche sich begegneten, eine noch größere Zahl von Bienenzüchtern durch Aufruf in den öffentlichen Blättern zu versammeln und auf Grund eines gemeinsam zu entwerfenden Status „einen Verein von Bienenvätern“ zu gründen.
Dies geschah in der ersten Versammlung am 17. Mai 1863 im Gasthofe „Zum weißen Roß“ auf dem Neumarkte von Halle Dazu hatten sich eingefunden: Dr. phil. Allihn, Gärtner Correjus, Rentier Friedrich, Oberlehrer Haring, Buchh. und Buchdr. Otto Hendel, Kaufmann Jentsch, Rentier Körner, Rentier Pitzschke, Kaufmann Schilling, Tischlermeister Werner sämtlich aus Halle und Gutsbesitzer Zorn aus Schlettau.

gewählt wurden:

als Vorsitzenden: Oberlehrer Haring
als dessen Stellvertreter: Dr. phil. Allihn
als Schriftfüher: Buchh. und Buchdr. Otto Hendel
als Kassenführer: Rentier Friedrich, sämtlich aus Halle.

So geschehen Halle/S., am Sonntage Exaudi 17. Mai 1863

Otto Hendel

Meilensteine in der Vereinsgeschichte:

Schon in der 2. Versammlung wurde die Einrichtung einer Bücherei beschlossen.

Am 16.010.1864 tritt der Verein dem „Thüringer Bienenverein“ in Merseburg bei, um eine Verbindung mit den Ortsvereinen von Merseburg, Schkeuditz, Lützen, Plotha und Naumburg zu haben.

Auf dem Gelände des landwirtschaftlichen Instituts, dem ersten an einer Universität, wird ein Vereinsbienenstand errichtet.

1866 werden Honigschleudern, die von mehreren Vereinsmitgliedern gemeinsam angeschafft wurden, in einer Versammlung vorgeführt.

1874 findet die XIX. Wanderversammlung in Halle statt. Die „Bienenzeitung“ des Jahres 1874, 30. Jahrgang, Nr. 19 berichtete:
„Die XIX. Wanderversammlung deutscher und österreichischer Bienenwirte hat an den dafür vorgesehenen Tagen – 15.-18. September 1874 – in schönster Ordnung und vom herrlichen Schwarmwetter begünstigt stattgefunden. Die Beteiligung übertraf die kühnsten Erwartungen, es wurden gegen 1200 Legimationskarten ausgegeben. Da der I. Herr Präsident, Universitätsprofessor Dr. Julius Kühn, leider durch Krankheit am Erscheinen verhindert war, so besorgten der II. Präsident, Oberlehrer Haring und der II. ständige Vizepräsident, Seminapräfekt Schmid, die Geschäfte des Präsidiums allein.

1937 hatte der Verein 122 Mitglieder, die 1213 Bienenvölker bewirtschafteten.
Man imkerte mit folgenden Beuten:

121 Ständer- und Lagerbeuten im Gerstungsmaß;
121 Ständer- und 72 Lagerbeuten im Normalmaß (Zweietager);
422 Ständerbeuten mit 3 Etagen im Normalmaß;
57  Ständerbeuten mit 4 Etagen im Normalmaß;
152 Berlepschbeuten;
47  Freudensteinbeuten;
47  Kuntzschbeuten;
34  Albertiblätterstöcke im Normalmaß;
34  Zandermagazine im Zandermaß;
11  Celler Magazine;
62  verschiedene andere Beuten und Maße (u.a. 2 Lüneburger Stülper, 2 Thüringer Walzen, 1 Kanitzkorb).
Der Durchschnittsertrag betrug 4,7 kg Honig, 57 kg Reinwachs und 264 kg Altwaben.
1938 Seuchenkurs der Landesfachgruppe Sachsen-Anhalt durch Prof. Dr. Bochert. Zwei Vereinsmitglieder aus Halle nahmen teil. Es waren die ersten Bienenseuchensachverständigen des Vereins.

Das 90. Stiftungsfest wurde 1953 im „Krug zum grünen Kranze“  gefeiert. Den Festvortrag hielt Dozent Köchert aus Jena über „Biene und Blüte“. Der Verein hatte 1953 339 Mitglieder mit 2340 Völkern.

Die Feier zum 100jährigen Bestehen des Vereins fand am 25. und 26. Mai 1963 im „Klubhaus der Gewerkschaften“ statt. Den Abendvortrag hielt Dr. Günter Pritsch, Hohen Neuendorf, zum Thema „Wie kann jeder von uns zur Verbesserung der Bienenweide beitragen“.

1978 Kurt Stanek initiiert die Aktion „Pflanz einen Baum“ zur Verbesserung der Bienenweide.

1987 wurde die Varroa-Milbe im Stadtgebiet von Halle festgestellt, im umliegenden Saalkreis bereits ein Jahr früher.  Zu dieser Zeit hatten die Vereinsmitglieder 38 Wanderwagen im Einsatz.1988 besteht der Imkerverein 125 Jahre. Aus diesem Anlaß wurde eine Festschrift herausgegeben.2013 besteht der Imkerverein 150 Jahre. Die Festveranstaltung anläßlich dieses Jubiläums fand am 17.05.2013 im Zoologischen Garten zu Halle statt. Den Festvortrag hielt Imkerfreund Dr. Waldemar Senf.
Dr. Waldemar Senf und Hartmut Knorr erstellten die Festschrift.

Die Entwicklung des Honigertrages pro Volk und Jahr:

1863:     2,5 kg
1937:     4,7 kg
1982:   17,2 kg


Einige Zahlen zur Mitgliederentwicklung des Vereins:

1863:     11
1868:     30
1895:     54
1912:     84
1935:   106
1953:   339
1963:   275
1975:   186
1987:   204
2009:     47
2012:     54
aktuell um die 70 Mitglieder